Eigentlich sind wir in ein einsames Hotel gefahren, um mal nichts zu machen. Bisher sind wir von Stadt zu Stadt gereist und haben uns alles angeschaut und uns treiben lassen. Hier leben wir nun in einem kleinen Hotel direkt am Baikalsee in der Nähe von Sljudjanka.

Spaziergang in die Stadt

Morgens bekamen wir von unserem Gastgeber köstlichen, frisch gebrühten Kaffee. Wir ließen uns den Fußweg ins Dorf erklären, weil wir den Schnee entlang der Schienen der Transsibirischen Eisenbahn genießen wollten. Er hätte uns auch gefahren, doch der Tag war zu sonnenklar dafür.

Wir waren schwer beeindruckt von dem klaren, glitzernden Schnee. Es wirkte alles wie im Märchen. Der Weg führte direkt zwischen Baikalsee und den Bahn-Schienen entlang. Wir waren überrascht wie stark frequentiert die Bahntrasse ist. Ständig hörten wir das Pfeifen der Güterzüge, die schwer beladen in beide Richtungen rauschten.

Unser Weg führte immer geradeaus, gabelte sich dann schließlich an einer Stelle, was jedoch eine Fehlentscheidung war, da dieser Weg irgendwann endete. Also zurück zur Gabelung und weiter direkt neben den Schienen. Die Züge kündigten sich von Ferne bereits an, so dass wir nicht zu nah an den Gleisen gingen.
Irgendwann erschien uns auch dieser Weg als falsch, da die Fußspuren verschwanden und weder rechts noch links genug Platz für Fußgänger war. Also wieder zurück. Der einzige Weg war ein kleiner Tunnel unter den Schienen her, der unsere Kletterkünste erforderte. Auf der anderen Seite sah auch alles nicht nach einem Fußweg aus. Wir waren auch schon fast wieder an unserem Hotel. Also ab zurück und zum Bus.

Busfahrt nach Sljudjanka

Direkt an der Straße, wo auch die Goldene Jurte ist, hält ein Bus, bei dem wir mal unser Glück versuchen wollten. Erst hielt ein Auto, das uns mitnehmen wollte, was hier in Russland wohl üblich ist. Es waren jedoch zu wenig Plätze, so dass wir weiter auf den Bus warteten, der fünf Minuten später eintraf.
Was für ein Erlebnis: Ein Mini-Bus, gefüllt mit ältern, pelzbesetzen Damen, die teilweise auch nur Stehplätze hatten. Die Tür ging erst nicht zu, so dass ich mich weiter reinquetschen musste. Los ging’s!
Die Fahrt war sicher und dauerte auch nur eine Station. Wir zahlten 20 Rubel (35 ct) jeder nach dem Aussteigen beim Fahrer am Fenster. Anders war es platztechnisch nicht möglich.

Sljudjanka

In der Stadt wollten wir als erstes unsere Tickets für die Weiterfahrt in ein paar Tagen ausdrucken. Der Weg dorthin war jedoch sehr eisig. Also suchten wir als erstes Stolowaja für die Eisenbahner auf. Dort war es warm und wir bekamen für wenig Geld ein Mittagessen.

Danach ging es über die Brücke zum marmornen Bahnhofsgebäude. Alles wirkte verlassen und einsam, doch im Innern des Gebäudes mussten wir wieder eine Sicherheitsschleuse passieren. Einen Ticket-Drucker fanden wir nicht, wir werden es wohl wieder mit dem Online-Ticket versuchen müssen.

In der Stadt sind wenig Cafés. Erst in einem Hinterhaus entdeckten wir eins und lernten dort Slawa kennen, der uns durch Notizen von Jahreszahlen klarmachte, dass er 1970 irgendwie in der DDR war (oder dort jemanden kannte?). Er redete mit Händen und Füßen mit einer Alkoholfahne von hier bis zum Mond. Er wollte uns auch gar nicht verlassen und folgte uns in ein Lebensmittelgeschäft. Wir sagten, dass wir noch shoppen gehen, so ließ er uns ziehen.

Nach unseren Einkäufen wollten wir den Bus zurück nehmen, doch es fuhr angeblich keiner. Zumindest keiner für uns. Ein Einheimischer brachte uns zu einer Taxivermittlung und organisierte uns für 100 Rubel (1,40 €) ein Taxi nach Hause. Er wartete auch netterweise, bis das Taxi kam und uns sicher nach Hause führte. Vor der Abfahrt entdeckte uns Slawa wieder und verabschiedete sich überschwänglich.

Den Abend ließen wir wieder in der goldenen Jurte ausklingen.

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